Besuch von 9 Münchener Fachärzten

Besonders der Norden Malawis leidet unter dem Mangel an Fachärzten und qualifiziertem
Klinikpersonal. Dazu kommt der schlechte Zustand der Infrastruktur, der es vielen Dorfbewohnern nahezu unmöglich macht, Krankenhäuser in größeren Städten aufzusuchen. Diesbezüglich freuten wir uns besonders über den Besuch von 9 Münchener Fachärzten. Bereits im Jahr 2006 kontaktierte mich Frau Dr. Kathrin Ilgmann, um ihr Interesse an diesem Projekt kund zu tun. Daraufhin besuchte mich Frau Dr. Marion Haas im September 2006 in Nkhata Bay, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Und nun war es endlich soweit, vom 24. — 29.09.2007 haben die Ärzte im Government Hospital und in Dr. Mwandiras Chipatala Clinic praktiziert. Sie spendeten nicht nur einen Teil ihres Jahresurlaubes, sie haben auch Spendengelder gesammelt und brachten medizinische Geräte, Medikamente sowie Verbandsmaterial mit.

 

Bericht von Dr. med. Kathrin Ronel, Januar 2008 

Ärzteprojekt in Nkhata Bay, Malawi

In Zusammenarbeit mit NODA - Network Of Direct Aid e.V. aus Nürnberg unterstützten 9 Ärzte aus München und Augsburg vom 24.9.07 bis 28.9.07 das örtliche Krankenhaus in Nkhata Bay in Malawi.

 

Das Krankenhaus ist ein staatliches Krankenhaus, das eigentlich recht gut ausgestattet ist. So standen den Ärzten ein Labor zur Hämoglobinbestimmung, Malaria- und Bilharziosediagnostik, ein Ultraschallgerät und eine Röntgeneinrichtung zur Verfügung. Leider mangelt es im Krankenhaus an jeder Ecke an Personal. Es wurde berichtet, dass von den Schwesternstellen nur 30% besetzt seien. Ein malawischer Arzt hat die Leitung des Krankenhauses, er ist jedoch vor allem mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt. Es gibt nur einen weiteren Arzt, der sich um alle medizinischen Belange des gesamten Krankenhauses zu kümmern hat: Ein von der UNO finanzierter Arzt aus Burma. Ansonsten wird die ärztliche Arbeit von „medical officers“ - medizinisch geschultem nichtärztlichem Personal - übernommen.

 

Das Team bestand aus drei Internisten (Dr. Jutta Schulze, Dr. Kathrin Ronel und Dr. Joram Ronel), der Chirurgin  Dr. Marion Haas, dem Anästhesisten Dr. Pierre Bonnet, der Kinderärztin Dr. Ulrike Walden, der Gynäkologin Dr. Hanne Vogt, zwei Dermatologen (Dr. Michael Mühlstädt und Prof. Reiner Scherer) und dem Manager Marc Hofmann, der als nichtärztlicher Helfer für die Organisation vor Ort unabdingbar war. Die Patienten wurden in der Ambulanz, dem sogenannten „Out Patient Department“, je nach Symptomatik von einem der Ärzte entsprechend der Fachrichtung gesehen und behandelt. Im Laufe der Woche wurden die Ärzte auch zunehmend zu den stationären Patienten gerufen. So fand eine tägliche „Wundvisite“ durch die Dermatologen und die Chirurgin bei den stationären Patienten der chirurgischen Abteilung statt. Auch auf  den internistischen Stationen wurden für deutsche Verhältnisse unvorstellbar schwer erkrankte Patienten behandelt. 

 

Da im Vorfeld Flyer in den umliegenden Dörfern verteilt worden waren, mangelte es nicht an Patienten. Insgesamt wurden in den fünf Tagen etwa 2500 Patienten ärztlich gesehen und behandelt.

 

Am häufigsten waren bei den ambulanten Patienten fieberhafte Erkrankungen wie Malaria und bronchopulmonale Infekte, schmerzhafte degenerative Gelenkerkrankungen, Asthma, Durchfallerkrankungen, Hypertonie und auch Tuberkulose. Wunden und Abszesse wurden von der Chirurgin versorgt. Die Kinderärztin hatte sehr viel zu tun, wobei die meisten Kinder unter Durchfällen und Exsikkose, Malaria und Fieber litten. Die Gynäkologin führte zusammen mit dem UN-Arzt eine lebensrettende Notfall-Operation und mehrere kleinere gynäkologische Eingriffe durch.

Dermatologisch standen Hautpilzerkrankungen, Ekzeme und vor allem immer wieder Wundversorgungen im Vordergrund.

 

Insgesamt waren die Patienten sehr dankbar für die Hilfe. Medikamente stehen zwar im Krankenhaus kostenlos zur Verfügung, allerdings gibt es nur ein sehr geringes Medikamentenspektrum. So wird als Schmerzmittel eigentlich nur Paracetamol ausgegeben, was bei stärkeren Schmerzen einfach unzureichend ist. Ebenso fehlten Asthma-Sprays, Antibiotikasäfte für Kinder, Breitspektrumantibiotika, Hautsalben und Vitaminpräparate. Dank vieler Spenden konnten die Patienten größtenteils mit den dringend benötigten Medikamenten versorgt werden.

 

Neben der Arbeit im staatlichen Krankenhaus praktizierten die deutschen Ärzte gemeinsam mit dem einheimischen Arzt Dr. Mwandira in dessen privater Chipatala-Clinic. Dr. Jutta Schulze übergab Dr. Mwandira als Spende ein hochwertiges Mikroskop mit Materialien zur Malariadiagnostik. Mit Hilfe des neuen Mikroskops hat er jetzt die Möglichkeit, in seiner Praxis Parasitendiagnostik durchführen. Parasitäre Erkrankungen sind eines der größten Probleme dieser Region und insbesondere eine sofortige Malariadiagnostik ist in vielen Fällen lebensrettend.

 

Eine kleine Geschichte hat allen viel Freude bereitet:

Die Ärzte hatten aus Deutschland auch alte Brillen verschiedener Stärken mitgebracht. An einem der Tage kam ein alter Herr mit Stock und unsicheren Schritten in die Ambulanz. Als im Laufe der Unterhaltung langsam klar wurde, dass er wegen seiner schlechten Sehkraft so unsicher ging, wurden die mitgebrachten Brillen ausgepackt. Tatsächlich konnte für ihn eine Brille mit der richtigen Sehstärke gefunden werden! Da strahlte der Mann und ging sicheren Schrittes nach Hause. Zum Abschied rief er glücklich „Now I am a young man!“

 

Nicht nur durch die fachliche und materielle Hilfe sondern insbesondere durch diese kleinen zwischenmenschlichen Erlebnisse und die Hilfe im Einzelfall wurde das Ärzte-Projekt in Nkhata Bay zu einem Erfolg. Wir möchten uns daher bei allen ganz herzlich bedanken, die unser Projekt finanziell, durch Sachspenden oder durch ihre tatkräftige Mithilfe unterstützt haben.

 

Dr. med. Kathrin Ronel, Januar 2008                      

Kontakt: kathrin.ilgmann@gmx.de oder ma_haas@hotmail.com